Tools:
Tools
Home

Ruderalflächen

Ruderalfluren zeichnen sich durch eine farbige, blütenreiche Vegetation aus. Foto: A. Krebs

An geeigneten Standorten gedeiht Ruderalvegetation auch auf Kleinstflächen.
Foto: M. Di Giulio  

Ruderalvegetation auf Strassenbegleitflächen und im Randbereich von Parkplätzen sind ökologisch wertvolle Trittsteine. Foto: M. Di Giulio

Natürlicherweise kommen Ruderalfluren auf Schotter- und Kiesbänken entlang von Flüssen und an Schutthängen vor. In der Natur- und Kulturlandschaft werden diese Lebensräume immer seltener. Ruderalflächen finden sich auch im Siedlungsraum in Gärten, entlang von Wegen, an Böschungen, auf unversiegelten Plätzen oder auf Brachflächen. Bereits auf kleinen Flächen können blütenreiche Ruderalflächen entstehen. Voraussetzung dafür ist ein sonniger Standort mit magerem, kiesigem oder steinigem Boden. Ruderalflächen sind Pionierstandorte und werden von spezialisierten Pflanzenarten, den sogenannten Pionierpflanzen, besiedelt. Diese Pflanzen kommen mit wenig Nährstoffen aus. In Wiesen und anderen Lebensräumen mit dichter Pflanzendecke werden sie von konkurrenzstarken Arten verdrängt. Ruderalflächen verändern ihr Erscheinungsbild schnell. Zu Beginn sind sie karg, entwickeln sich aber nach 1-2 Jahren zu farbenprächtigen Flächen, die im Laufe der Zeit immer dichter werden und je nach Standort einen "wilden" Charakter entwickeln.

Pfle­ge

Die Pflege von Ruderalflächen ist abhängig vom Alter und Standort der Fläche und ist entsprechend variabel. Wichtig ist, dabei gestalterische Aspekte und die Ziele bezüglich Artenförderung (Pflanzen, Insekten, Moose etc.) zu definieren und zu berücksichtigen. Naturnah sollte sie in jedem Fall erfolgen. 

Ruderalvegetation bildet zusammen mit Sand, Totholz und Steinen ein ökologisch wertvolles Lebensraummosaik. Foto: M. Di Giulio

Ruderalflächen können Kleinstflächen städtischer Wildnis sein. Foto: M. Di Giulio

Der offene Boden einer lückigen Ruderalvegetation ist eine wertvolle Struktur für im Boden nistende Insekten. Foto: A. Krebs

Ziel­kon­flik­te

Das sich immer wieder verändernde und manchmal "wilde" Erscheinungsbild von Ruderalflächen kann zu Konflikten mit gestalterischen Zielen führen. Eine fachgerechte Pflege, die Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild legt, kann diesem Konflikt entgegenwirken.

Eine zu starke Beschattung durch Bäume oder andere Gehölze kann die ökologische Qualität von Ruderalflächen beeinträchtigen. Durch eine geschickte Anordnung der Flächen und Gehölze kann diesem Konflikt entgegengewirkt werden.

Synergien

Hit­ze­min­de­rung

Tagsüber: Ruderalflächen können eine Überhitzung der Oberflächen nur geringfügig vermieden. Die Verdunstungsleistung ist aufgrund der spärlichen Vegetation gering. Bei einem hohen Anteil grosser Steine besteht die Gefahr der Wärmespeicherung.

Nachts: In der Nacht kühlen Ruderalflächen ab, wie schnell und wie stark, hängt vom Anteil grosser Steine und dem verfügbarem Wasser ab.

Na­tur­na­he Re­gen­was­ser­be­wirt­schaf­tung

Ruderalflächen haben eine ähnliche Versickerungsleistung wie Blumenrasen und Blumenwiesen, verdunsten aber weniger Wasser. Sie erfüllen die Anforderungen an einen ausreichenden Bodenaufbau mit Filterwirkung nicht. Wasser aus angrenzenden Flächen darf deshalb nicht in jedem Fall in eine Ruderalfläche eingeleitet werden und Wasser, das vor Ort versickert muss u.U. in die Kanalisation eingeleitet werden. Entscheidend sind Art und Grösse der angrenzenden Flächen, Vorkommen von Grundwasserschutzbereichen und die Grösse der Fläche. 

Potenziale & Wirkung

Wirkung
geringe Wirkungmittlere Wirkunggrosse Wirkung

Biodiversität

Bei sehr jungen und alten Stadien mit dichtem Bewuchs ist die Artenvielfalt gering.

Bei Flächen an frischen und/oder nährstoffreichen Standorten ist die Artenvielfalt mittel.

Bei Flächen an mageren und sonnigen Standorten und einer naturnahen Pflege ist die Artenvielfalt sehr hoch. 

Hitzeminderung

Bei sonnigen, trockenen Flächen mit einem geringen Deckungsgrad der Vegetation ist die Hitzeminderung gering. 

Naturnahe Regenwasserbewirtschaftung

Bei nicht unterbauten Ruderalflächen kann nur das direkt vor Ort anfallende Regenwasser versickern. 

Bei nicht unterbauten Ruderalflächen, in die Regenwasser von angrenzenden Flächen eingeleitet werden kann. 

Bewegungsförderung

Ruderalflächen können nur eingeschränkt genutzt werden.

Naturerlebnis

Neu angelegte Flächen mit kargem Bewuchs bieten ein geringes Naturerlebnis.

Junge oder sehr alte Ruderalflächen mit wildem Erscheinungsbild haben einen mittleren Erlebniswert.

Ruderalflächen an mageren und sonnigen Standorten im mittleren Entwicklungsstadium bieten ein reiches Naturerlebnis, denn sie zeichnen sich durch grosse Farben- und Formenvielfalt, Düfte, Insektengesumme etc. aus.


Die Ta­bel­le gibt eine Über­sicht zu den Po­ten­zi­a­len und den Wir­kun­gen. Die An­ga­ben zu Syn­er­gi­en und Po­ten­zi­a­len ba­sie­ren auf Fachli­te­ra­tur sowie Ein­schät­zun­gen von Fach­leu­ten, u.a. von Da­ni­el Kel­ler, Stadt­land­schaft GmbH, und Sil­via Opp­li­ger, SVA (Ver­band Schwei­zer Ab­was­ser- und Ge­wäs­ser­schutz­fach­leu­te).

Ar­beits­hil­fen