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Dachbegrünung

Gräser bereichern eine Dachbegrünung.
Foto: C. Egger, Detailstudios

Ökologisch wertvolle Dachbegrünung mit Totholz und anderen Strukturen für Wildbienen. Foto: C. Egger, Detailstudios

Ökologisch wertvolle Dachbegrünungen bieten Insekten einen Lebensraum. 
Foto: C. Egger, Detailstudios

Wasserelemente auf Gründächer sind besonders wichtig, weil sie Tieren eine lebensnotwendige Ressource bieten. Foto: C. Egger, Detailstudios

Das intensiv begrünte Dach des Krankenhauses in Augsburg kann für Pausen und zur Erholung genutzt werden. Foto: Bundesverband GebäudeGrün e.V.

Begrünte Dächer bieten Lebensraum, Hitzeschutz und Wasserspeicherung. Unterschieden werden drei Kategorien von Dachbegrünungen und zwar aufgrund der Substratmächtigkeit:

  1. Extensivbegrünung, Substratmächtigkeit ca. 10 bis 15 cm; 
  2. Einfache Intensivbegrünung, Substratmächtigkeit ca. 15 bis 25 cm; 
  3. Intensivbegrünung, Substratmächtigkeit ab 25 cm bis zu 1,5 m.

Für Pflanzen, Tiere und andere Organismen sind Dächer ein Extremstandort, der Sonne, Wind und Regen ausgesetzt ist. Eine ausreichend dicke Substratschicht, Schutzstrukturen vor Sonne, Wind und Regen sowie eine ökologisch wertvolle Bepflanzung sind daher wichtig. Gut geplante und gepflegte Dachbegrünungen können ein Ersatzlebensraum für zahlreiche Arten von Pflanzen, Tieren, Moosen und Pilzen sein. Die Besiedlung kann passiv durch Wind oder aktiv durch fliegende oder kriechende Organismen erfolgen. Dachbegrünungen auf tiefen bis mittel hohen Gebäuden (<5 Geschosse) sind für Insekten einfacher besiedelbar als solche auf hohen Gebäuden. 

Zusätzlich haben Dachbegrünungen viele weitere Vorteile:

  • Sie erhöhen die Lebensdauer der Gebäudehülle;
  • schützen das Gebäude vor Temperaturschwankungen;
  • entlasten bei Starkniederschlägen die Kanalisation, indem sie Regenwasser zurückhalten und langsam verdunsten lassen;
  • verbessern die Effektivität von Dachphotovoltaikanlagen durch Verdunstungskühle;
  • machen auch das Dach zu einem attraktiven Aufenthaltsort.


Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen erfordern zwingend die Expertise von Fachleuten und sollte möglichst früh im Planungsprozess berücksichtigt werden, um die bauphysikalischen Anforderungen zu erfüllen und die ökologische Qualität und Funktionalität sicherzustellen. 


Die Begrünung von Fassaden und Dächern bringt erhebliche Mehrwerte wie Hitzeminderung, Regenwasserretenstion, Lärmdämpfung, Biodiversitätsförderung. Quelle: Kraus et al. 2019

So­lar­grün­dä­cher

Wenn eine Begrünung und mit PV-Anlagen kombiniert wird, können Dachflächen nicht nur Biodiversität fördern, sondern auch noch lokal produzierte Energie liefern. Sogenannte Solargründächer kombinieren Biodiversitätsförderung mit Energieproduktion. Es gibt zahlreiche Beispiele von Solargründächer, welche zeigen, dass eine solche Kombination funktioniert und viele Vorteile bringt. So steigert etwa die Begrünung die Effektivität der Solarpanels. Die Grafiken zeigen verschiedene Konstruktionsmöglichkeiten und Varianten von Solargründächer aus der Broschüre Végétaliser les toitures (nur in Französisch). 


Solargründach mit vertikaler Anordnung der Solarpanels

Solargründach mit Schmetterlingsanordung der Solarpanels

Solargründach mit einreihiger Anordnung der Solarpanels

Solargründach mit Kuppelandordnung der Solarpanels

Eine PV-Anlage kann problemlos mit eine Dachbegrünung sowie Strukturen wie Totholz, Steine und temporäre Wasserflächen kombiniert werden. 
Foto: C. Egger, Detailstudios

Solargründach in der Stadt Lausanne. Foto: M. Di Giulio

Dank einer frühzeitigen und sorgfältigen Planung finden auf dem Dach PV-Anlage, Strukturen und Dachbegrünung Platz.
Foto: C. Egger, Detailstudios

Ziel­kon­flik­te

Dächer sind wertvolle Flächen für Begrünung und lokale Energiegewinnung. Dieser Zielkonflikt zwischen Energiegewinnung und Biodiversität kann durch Solargründächer gelöst werden. Erfahrungen zeigen, dass sie funktionieren, wenn Planung und Installation durch erfahrene Fachleute ausgeführt und begleitet werden. Ebenso wichtig ist, Unterhaltsverantwortliche auf die Besonderheiten von Solargründächer aufmerksam zu machen und eine sorgfältige Pflege sicherzustellen. 

Synergien

Hit­ze­min­de­rung

Tagsüber: Die Begrünung vermeidet eine Überhitzung und Wärmespeicherung der Oberflächen und des Gebäudes durch die Pflanzen und das verfügbare Wasser. Die Kühlung erfolgt durch die Wasserverdunstung über das Substrat und die Pflanzen. Begrünte Dächer speichern nur wenig Wärme.

Nachts: Dachbegrünungen kühlen in der Nacht schnell ab. 

Na­tur­na­he Re­gen­was­ser­be­wirt­schaf­tung

Bei der Gestaltung der Dachaufbauten ist auf die Retentionsschicht zu achten. Es gibt Dachaufbauten, die den Abfluss bei kurzen Starkregen reduzieren, aber bei längeren Regenfällen keine mindernde Wirkung mehr haben, da das Substrat dann gesättigt ist und das Wasser einfach durchfliesst. Andere Dachaufbauten drosseln gezielt den Abfluss und tragen somit auch bei längeren Regenfällen zur Rückhaltung bei.

Potenziale & Wirkung

Wirkung
geringe Wirkungmittlere Wirkunggrosse Wirkung

Biodiversität

Extensivbegrünungen ohne Strukturen haben einen geringen ökologischen Wert. 

Einfache Intensivbegrünungen aus einheimischem Saatgut ohne Strukturen haben einen mittleren ökologischen Wert. 

Einfache Intensivbegrünung oder Intensivbegrünung aus einheimischem Saatgut mit Strukturen, z.B. für Tiere, und mit Wasser haben einen hohen ökologischen Wert. 

Hitzeminderung

Bei Extensivbegrünungen ohne oder mit geringer Retentionsfunktion ist die Hitzeminderung gering. 

Bei Intensivbegrünungen mit Retentionsfunktion ist die Hitzeminderung mittel. 

Bei blaugrünen Dachbegrünungen mit Retentionsfunktion und dauerstaunassen Flächen ist die Hitzeminderung hoch. 

Naturnahe Regenwasserbewirtschaftung

Extensivbegrünungen ohne Retentionsfunktion speichern kleinere Regenwasserereignisse. 

Intensiv begrünte Dächer oder extensive begrünte Dächer mit Retentionsschicht, deren Abfluss mit einer Drossel geregelt wird, speichern mittlere Regenwasserereignisse.

Begrünte Dächer mit gedrosselter Retentionsschicht speichern grössere Regenwassermengen. 

Bewegungsförderung

Begrünte Dächer ohne Zugang können nicht genutzt werden. 

Intensiv begrünte Dächer, welche begehbar und nutzbar sind, z.B. als Gärten oder Aufenthaltsplätze fördern die Bewegung maximal.

Naturerlebnis

Begrünte Dächer ohne Zugang bieten kein Naturerlebnis.

Begrünte Dächer, die zwar nicht zugänglich aber einsehbar sind, sind mittelmässig erlebnisreich. 
 

Intensiv begrünte Dächer, welche begehbar und nutzbar sind, z.B. als Gärten oder Aufenthaltsplätze, bieten ein reiches Naturerlebnis.

Die Ta­bel­le gibt eine Über­sicht zu den Po­ten­zi­a­len und Wir­kun­gen. Die An­ga­ben zu Syn­er­gi­en und Po­ten­zi­a­len ba­sie­ren auf Fachli­te­ra­tur sowie Ein­schät­zun­gen von Fach­leu­ten, u.a. von Da­ni­el Kel­ler, Stadt­land­schaft GmbH, und Sil­via Opp­li­ger, SVA (Ver­band Schwei­zer Ab­was­ser- und Ge­wäs­ser­schutz­fach­leu­te).

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